Galgos - kennen und lieben lernen

Ein Hund musste für mich früher immer groß kräftig und gerne auch etwas bullig sein. Die dürren Windhunde waren so gar nicht mein Fall. Die sind zu dünn, da ist nichts dran – Unwissenheit hat mich zu diesen Kommentaren hinreißen lassen. Bis ich sie eines Tages kennen und lieben lernte.

Das oft so traurige Schicksal der vielen Galgos hat mich so erschüttert und die Anmut, Intelligenz, Grazie und der Frohsinn der Galgos haben mich so sehr in ihren Bann gezogen, dass ich unbedingt über diese Rasse informieren und aufklären möchte und von ganzem Herzen hoffe, dass ich damit tierliebe Menschen für diese Rasse begeistern kann und vielleicht dadurch die ein oder andere „Langnase“ einen neuen Liebhaber finden wird.

         

Ich bin weder ein Experte noch ein Fachmann. Ich kann lediglich meine Erfahrungen und Erlebnisse einbringen, die ich während meiner 28 jährigen Tätigkeit im Tierheim gemacht und gesammelt habe. Seit vielen Jahren helfe ich in Spanien und habe wirklich schon schreckliche Dinge mit ansehen müssen.

Die Galgos werden in Spanien bis heute noch überwiegend für die Jagd missbraucht. Die graziösen, sanften und anmutigen Tiere leben während der Jagdsaison unter unvorstellbar schlechten Bedingungen bei den Jägern. In kleinen Schuppen oder Zwingern sind sie oft mit mehreren Galgos zusammen gepfercht. Häufig sind es 15 oder 20 Galgos, die ein Jäger während der Saison hält. Meistens müssen sie so auf dem harten Boden schlafen, bekommen wenig Futter. Sie sind bei den Spaniern bis heute so beliebt, weil sie so loyal, lieb und willig sind. Ihre Schnelligkeit und besondere Fähigkeit der Jagd auf Sicht machen sie zu guten Jägern. Durch ihren langen Hals und ihre seitlich am Kopf befindlichen Augen haben sie einen großen Blickwinkel.

         

Ist die Jagdsaison am 1. Februar eines jeden Jahres zu Ende entledigen sich viele Jäger ihrer Galgos, da sie nicht alle den Sommer über durchfüttern möchten. Nur die Guten dürfen bleiben, die schlechteren werden, wenn sie Glück haben, in Tierheimen abgegeben, meistens jedoch einfach ausgesetzt oder zu Tötungsstationen gebracht. Oft werden sie auch in abgelegenen Wäldern angebunden, wo sie elendig verhungern und verdursten oder an Bäumen erhängt, an Eisenbahnschienen gebunden, in großen Wasserbecken ertränkt oder mit Benzin übergossen und bei lebendigem Leibe verbrannt.

Weil der 1. Februar für zigtausende von unschuldigen Galgos der Beginn der schlimmsten Zeit von Qualen und Grausamkeiten ist, hat man diesen Tag zum weltweiten Galgo-Day ernannt.

Es dauert oft Wochen und Monate bis es spanischen Tierfreunden gelingt, herumirrende, eingeschüchterte Galgos einzufangen. Viele Spanische Tierheime beherbergen über 100 Galgos, die kaum eine Chance auf Adoption haben. Sie leben dort sehr gefährlich, denn oft versuchen illegale Züchter Galgos aus Tierheimen zu stehlen. Laut Polizeiberichten ist der Galgo Espanol die am häufigsten gestohlene Hundrasse in Spanien.

Und nun kommt mein eigentliches Anliegen zum Tragen. Wer einen Galgo kennen und lieben gelernt hat, weiß wie furchtbar es für so ein sensibles Tier sein muss, ewig in einem kleinen Zwinger zu vegetieren. Denn die Galgos sind so viel mehr als „nur“ Jagdhunde. Ich sehe das sogar ganz anders, für mich sind diese Hunde  tolle Familienhunde. Sie haben ein ganz besonderes Sozialverhalten. Unfassbar, wie schnell sie sich an ihren neuen Menschen, ihre neue Umgebung und den neuen Alltag gewöhnen. Sie sind so sauber und ruhig im Haus. Sie bellen kaum, sie machen meist nichts kaputt und können auch gut wegen ihres ausgeglichenen Gemüts mal alleine bleiben. Auch eignen sie sich sehr gut als „Bürohund“.

Sie sind unkompliziert, intelligent und lernen schnell.

Auch was ihren Auslauf angeht sind sie genügsam. Sie sind keines Wegs Hunde, die Stunden lang am Fahrrad laufen möchten. Im Gegenteil, sie sind Kurzstreckenläufer und lieben es 10 Minuten aufzudrehen, 3 Mal tief durchatmen und zufrieden für den Rest des Tages. Optimal sind Hundefreiläufe für diese Windhunde, wo sie mal richtig aufdrehen können. Hier können sie ihre Beine strecken und „Gas geben“. Da sie sich sehr gut mit anderen Hunden vertragen, kann man diese Freiläufe  gut nutzen. Bei den Windhunden ist es sogar so, dass sie kleine „Rassisten“ sind. Sie suchen ihresgleichen, egal ob ein Whippet oder Greyhound, Hauptsache Windhund und zusammen rennen.

Meistens sind die Galgos auch Katzen verträglich.

Was das Jagen während des Spaziergangs angeht, ist das recht unterschiedlich. In Gebieten, wo einem die Häschen nicht gleich über den Weg laufen, kann man oftmals Galgos ableinen, da sie gut hören. Jedoch in Naturschutzgebieten, wo viel Wild unterwegs ist, ist die Versuchung meist zu groß und man sollte den Galgo dann lieber angeleint lassen oder eine Schleppleine verwenden.

Wichtig ist die Verwendung eines Windhundhalsbandes. Dies ist breiter als ein gewöhnliches Halsband und meistens gepolstert. Da Galgos einen schlanken und langen Hals haben, ist es für sie bei ruckartigen Bewegungen  sehr unangenehm, wenn sie nur ein schmales Band tragen. Es gibt mittlerweile wunderschöne Angebote im Handel. Weil der Halsumfang direkt hinter den Ohren kleiner ist, als am Hals in Höhe des Kehlkopfes, wo das Band normaler weise sitzt, kann ein herkömmliches Halsband leicht über den Kopf gleiten. Daher sollte man ein Galgoband mit Zugstopp verwenden. Da gibt es z. Bsp. im Internet ganz tolle Anbieter, die zu günstigen Preisen Galgobänder maß anfertigen in wunderschönen Designs. Da kann sich Frauchen richtig austoben…

Die Galgos haben eine sehr dünne Haut ohne Fettschicht und Unterwolle, daher ist es ratsam ihnen im Winter ein Mäntelchen überzuziehen. Da herkömmliche aus dem Handel nicht die richtige Passform haben, weil der Brustumfang der Galgos  größer ist, sollte man eines nach Maß anfertigen lassen. Auch bei den Mäntelchen gibt es wirklich humane Preise.

Galgos riechen nicht und haaren kaum. Sie hassen Regen.

Da Galgos die Bequemlichkeit lieben, benötigen sie ein weiches Schlafplätzchen. Gerne hoch und weich, dass gefällt ihnen.

Galgos sind sehr verschmust. Wenn man ihnen zu wenig Aufmerksamkeit schenkt,  suchen sie oft selber die Nähe zu einem und stehen einfach ganz artig und bescheiden neben einem, ohne jede Aufdringlichkeit. Auch sind sie sehr kinderlieb und verspielt. Es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, wie schnell sich ein Galgo dem neuen Familienleben anpasst, obwohl er dieses noch nicht einmal im Ansatz kannte. Genau das macht sie auch so liebenswert, ihre Begabung der Anpassung. Ihre Anmut, ihr Charme und ihre Leichtigkeit verzaubern mich immer wieder neu.

Da die Galgos so lieb, ausgeglichen und gesellig sind, schaffen sich Galgohalter oft noch einen zweiten Windhund an, was für alle im täglichen Leben eine Bereicherung ist.

Fazit ist also, dass der Galgo weniger ein Jagdhund ist, sondern viel mehr ein toller, sozialer Familienhund, der es Dir mit seiner unendlichen Treue sein Leben lang danken wird, wenn Du ihn zu Dir genommen hast.

Und es gibt noch ganz viele traurige Galgoseelen, die darauf hoffen endlich ein schönes Zuhause  zu finden. Im Tierheim Kranenburg, in dem ich tätig bin warten immer sehr hübsche „Langnasen“. Und ich bin für jeden einzelnen überglücklich, der ein schönes Zuhaue gefunden hat, immer auch mit dem Wissen, dass dann wieder ein weiterer vor einem qualvollen Tod gerettet werden kann.

Also, liebe Hundefreunde, lasst euch doch einfach mal darauf ein und lernt einen Galgo kennen. Es wird vermutlich die größte Liebe Deines Lebens…

 

Diese Galgos suchen noch ein schönes Zuhause

 

Maro

Ania

Lope

Elegida

Tijuna

Amador

Rayo